27.11.2009 Leipzig - Schaubühne Lindenfels

 

 

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Artikel  18.06.2009

Soloabend : Paul und Paula – eine Legende

Foto: Omorp

Barbara Fuchs
 

Schmal und etwas verloren steht eine junge Frau zwischen Bierkästen und Kühlschrank auf der Bühne. „Hallo, ich bin Paula. Ich warte auf Paul“, sagt sie mit fester Stimme. Dann greift sie in die E-Gitarre und singt das berühmte Lied der Puhdys:  „Geh zu ihr“. Mutig. Aber geht denn das? „Paul und Paula“  aus den 70ern war der schönste Liebesfilm des Ostens, weil es den Autoren Ulrich Plenzdorf und Heiner Carow gelang, die Widersprüche zwischen individuellem Glücksanspruch und DDR-Realität aufzuspüren. Kann eine Spielerin allein das alles schultern?

Rike Schubert kann. Authentisch setzt sie die Liebeskraft der Paula, deren Lebensmut und deren Überforderung in Szene. Sie ist kraftvoll und empfindsam und in ihrem Spiel unangestrengt und präzise. Genial die Regieidee, Porträtfotos und Puppen zu Akteuren zu machen. Der treulose Kindesvater wird zusammengeknüllt und in die Tonne geworfen. Paul (ein fast lebensgroßes Illustriertenfoto) darf ans Mikrofon. Hier klopfen die Herzen, hier entsteht Sprachlosigkeit. Rike Schubert fordert die Imaginationskräfte des Publikums heraus. Es knistert bei erotischen Szenen, es wird still, wenn der Tod kommt. Die Puppenspielerin Tilla Kratochwil gibt ein gelungenes Debüt als Regisseurin. Ein berührender Abend.  

18.-20.6., 20 Uhr, Berlin Story Salon.
Regie: Tilla Kratochwil; mit Rike Schubert.

 

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Neues Deutschland 20.März 2009

Paul und Paula - ohne Paul

Regisseurin Tilla Krachtowil inszeniert brilliantes und eigenwilliges Solostück

Von Anouk Meyer

Eine Liebesgeschichte als Ein-Personen-Stück, kann das funktionieren? Erst recht, wenn es nicht um irgendein uraltes Beziehungsdrama geht, sondern um »Die Legende von Paul und Paula« und damit um das berühmteste Liebespaar des deutschen Ostens? Es kann. Mit Gitarre, Fotos und ein paar Puppen sang beziehungsweise plapperte sich Rike Schubert in der Rolle der alleinerziehenden Verkäuferin Paula auf Anhieb in die Herzen der Zuschauer; einen Paul vermisste man bei der Premiere in der Schaubude nicht.

 

Mit dem Soloabend »Paul und Paula – eine Legende« hat die Schauspielgruppe Theaterkosmos 53 ein kleines Wunder vollbracht. Keinen Moment lang sucht man den Vergleich mit dem Ost-Kultfilm von 1973, der trotz Riesenerfolgs nach wenigen Wochen verboten wurde. Trotz Puhdy-Hits und einer Darstellerin, die so selbstbewusst, frech und entschieden daherkommt wie Filmheldin Angelica Domröse, hat das Stück von Anfang an einen eigenen Charakter. Das liegt vor allem daran, dass Regisseurin Tilla Kratochwil nicht versucht hat, einen Film auf die Bühne zu heben, sondern Ulrich Plenzdorfs Geschichte einer unglücklichen Liebe sehr frei angegangen ist – ohne die legendäre Handlung zu verfälschen (was ihr das Publikum vermutlich übel genommen hätte).

 

In der Bühnenfassung steht allein Paula im Mittelpunkt, und das ist gut so. Rike Schubert, der die Rolle der eigensinnigen, lebenslustigen Getränkeverkäuferin wie auf den Leib geschneidert ist, singt den großen Puhdys-Hit »Geh’ zu ihr«, legt die Gitarre zur Seite und beginnt zu erzählen: von ihrem einfachen Leben in einer Wohnung mit Kohleofen und zwei Kindern, von ihrem untreuen Freund, den sie in flagranti ertappt und sofort hinaus schmeißt, und schließlich von Paul, der gegenüber wohnt und so ganz anders ist als sie: ein ehrgeiziger Funktionär, eher Kopf- als Bauchmensch.

 

Unglücklich in der Liebe ist er allerdings auch, da seine schöne Frau ihn betrügt, und als Paula beschließt, vor der geplanten Vernunftehe »noch ein Fass aufzumachen« und die beiden sich nachts in einer Disko treffen, gibt es kein Halten mehr. Zumindest bei ihr – er hingegen schwankt zwischen Gefühl und Vernunft. Bis ihm die Entscheidung abgenommen wird.

 

Erfrischend witzig und frei von der Leber weg schildert Rike Schubert als Paula die unglückliche Romanze zwischen zwei sehr verschiedenen Menschen, die den gleichen Traum verfolgen. Zur Veranschaulichung der Handlung werden Fotos auf eine Kühlschranktür geklebt, Puppen und Stofftiere ersetzen weiteres Schauspieler-Personal, und zwischendurch begleitet die Darstellerin sich selbst an der E-Gitarre. Auch wenn treue Fans des Kultfilms das gewohnte Siebziger-Jahre-Flair vermissen mögen - der ungewöhnliche Mix aus Theater, Livemusik und Puppenspiel macht einfach Spaß. Auch ohne Paul!

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